Als amtierender württembergischer Meister im freien Stil reiste Beat Schaible zu den Deutschen B-Jugendmeisterschaften nach Hösbach, an der Grenze zwischen Hessen und Bayern. Er verließ den Ort als Deutschlands bester Ringer der Gewichtsklasse bis 69 kg.
Zuvor hatte er nach der Bezirksmeisterschaft im Januar in Neckargartach, im Februar die Württembergische Meisterschaft in Holzgerlingen errungen.
Die Wochen danach waren durch hohe Trainingsintensität geprägt, sowohl unter Aufsicht von Vereinstrainer Philipp Bezner, als auch im Stützpunkttraining durch den Bezirkstrainer Peter Jäger.
Als nächste Hürde auf dem Weg zu den “Deutschen“ stand der Nomminierungslehrgang Ende Februar in Aalen. Aufgrund seiner dort gezeigten Leistungen wurde er von den Landestrainern Jens Barth und Othmar Kuhner für die nationalen Titelkämpfe nominiert.
Am 22.3.13 reiste er gemeinsam mit seinem Vater zu den Titelkämpfen und nach dem Wiegen stand fest, dass es Beat mit 5 anderen Ringern zu tun haben wird, die teilweise bereits Erfahrungen von früheren Meisterschaften mitbrachten.
1. Kampf gegen Maximilian Braun (KSV Bensheim):
Hoch konzentriert ging Beat in den Kampf, von den Trainern gut eingestellt, wartete er auf die Angriffe des Gegners. Den ersten fing er gleich ab und brachte den Kontrahenten in eine gefährliche Lage, was ihm die ersten 2 Punkte einbrachte. Diese Führung brachte er ungefährdet über die Zeit.
In der zweiten Runde ging sein Gegner zunächst in Führung, doch Beat hatte die richtige Antwort. Zunächst brachte er seinen Gegner in die Bodenlage und konnte von da aus erfolgreich eine Beinschraube anbringen. Sein Gegner riskierte nun alles, doch Beat konterte ihn geschickt aus und nur der Schlussgong rettete den Hessen vor der drohenden Schulterniederlage.
Kampfergebnis: Punktsieg mit 2:0 Runden (2:0 + 6:1)
Der Anfang war gemacht und Beat konnte sich beruhigt auf die kommenden Kämpfe am nächsten Tag vorbereiten.
Am zweiten Tag bekam Beat Unterstützung durch seine Kirchheimer Fans. Aufgrund der gebotenen Leistung und der Beobachtung der bevorstehenden Gegner machte sich bereits ein wenig Optimismus im KSV Lager breit. Aber noch standen 4 schwere Kämpf vor ihm und auf der Matte kann viel passieren, das war allen Beteiligten bewusst.
2. Kampf gegen Seyithlan Kalmuk (KSC Graben-Neudorf):
Der Gegner war in seinem ersten Kampf ebenfalls als Sieger von der Matte gegangen und entsprechend aufmerksam ging Beat in dieses Duell. Schnell konnte er seinen Gegner in die Bodenlage bringen und mit dem anschließenden Durchdreher baute er seine Führung aus. Alle Angriffe wehrte er gekonnt ab, brachte seinen Gegner im Gegenzug in eine gefährliche Lage und schulterte ihn letztendlich, was das erfolgreiche Ende dieses Kampfes bedeutete.
Kampfergebnis: Schultersieg in der 1. Runde
Nun hieß es nicht in allzu große Euphorie auszubrechen und so bereitete sich Beat gemeinsam mit seinem Coach Philipp Bezner für die nächsten Kämpfe vor.
3. Kampf gegen Marvin Krüger (SV Luftfahrt Ringen Berlin)
Mit einer Niederlage und einem Sieg war sein Gegner in das Turnier gestartet und wusste, dass wenn er noch etwas erreichen wollte, musste er gewinnen.
In der ersten Runde ging Beat schnell mit 1:0 in Führung. Mit viel Kraft und Technik beherrschte er danach seinen Gegner ohne daraus etwas Zählbares zu erzielen. Aber auch ein knapper Rundenerfolg ist eben ein Erfolg.
In der zweiten Runde dasselbe Bild. Beat machte schnell den ersten Punkt und dieses Mal legte er nach und bugsierte seinen Gegner aus einer Beinschraube heraus in eine gefährliche Lage, aus welcher sich dieser kurz vor Rundenende zwar befreien konnte, den 3. Sieg von Beat konnte er aber nicht verhindern.
Kampfergebnis: Punktsieg mit 2:0 Runden (1:0 + 5:0)
Nachdem nun alle Ringer drei Kämpfe absolviert hatten, konnte nur Beat eine weiße Weste vorweisen. Somit war allen klar, dass der nächste Kampf von vorentscheidender Bedeutung sein würde.
4. Kampf gegen Falko Demmler (RV Lugau/Erzgebirge)
Bei 2 Siegen und einer Niederlage machte sich der Gegner noch berechtigte Hoffnungen auf den Titel.
Beide Kämpfer ging recht vorsichtig in diesen für sie wichtigen Kampf und so bewegten sie sich im Standkampf über die Matte. Beat ergriff als erster die Initiative und konnte über einen Beinangriff seinen Gegner in die Bodenlage zwingen und ihn dort beherrschen, was ihm den ersten Punkt einbrachte. Nach einem versuchten Armzug konterte Beat reaktionsschnell und schickte den Gegner erneut auf die Matte. Dies war gleichzeitig die letzte Wertung in der 1. Runde, die Beat für sich entscheiden konnte.
Wer nun geglaubt hatte, der Kampf sei gelaufen sah sich getäuscht. Die 2. Runde entschied der Ringer aus Sachsen für sich und so kam es zum Showdown in der 3. Runde.
Die Trainer hatten Beat in der Pause die richtigen Ratschläge mit auf den Weg gegeben. Ein Angriff auf das Bein des Gegners beförderte diesen auf die Matte und die anschließenden Beinschrauben brachten Beat entscheidend in Führung. Verzweifelt versuchte der Gegner nun noch den Kampf zu drehen, doch Beat blockte den Angriff ab und dominierte den Gegner am Boden, was ihm den entscheidenden Punkt einbrachte, um diese Runde vorzeitig technisch überlegen zu gewinnen.
Kampfergebnis: Punktsieg mit 2:1 Runden (2:0, 1:2 + 6:0)
Nun konnte Beat nur noch theoretisch der Meistertitel entrissen werden. Doch da auch im Ringen Hochmut vor dem Fall kommt, bereitete sich Beat gewohnt konzentriert auf seine letzte Aufgabe vor.
5. Kampf gegen Biourn Mayer (WKG Untere Nahe)
Sollte es noch Zweifel gegeben haben, dass Beat kein würdiger Meister sein könnte, so fegte er diese in seinem letzten Kampf ähnlich schnell von der Matte, wie seinen Gegner. Innerhalb der ersten 14 Sekunden hob er seinen Gegner aus, was ihm eine 5er Wertung und somit die höchst mögliche Wertung im Ringen. Anschließend legte er seinen Gegner noch auf beide Schultern und beendete diesen ungleichen Kampf vorzeitig.
Kampfergebnis: Schultersieg in der 1. Runde
Mit 5 Siegen in 5 Kämpfen und einem Verhältnis 35:3 an technischen Punkten bewies Beat eindrücklich, dass er der beste Ringer seiner Gewichtsklasse bei diesen Meisterschaften war. Dies wurde im Kreise der mitgereisten Fans und der württembergischen Mannschaftskollegen gebührend gefeiert.
10 Jahre nach dem Gewinn der Deutschen A-Jugend Meisterschaft durch Patrick Bezner stellt der KSV Kirchheim wieder einen nationalen Goldmedaillengewinner.