Gesangverein Liederkranz

Stürmischer Applaus für die Young Chorporation

Erfasst von: Gayer, Helmut (13.05.2019)

Das Eingangsbild mit einem ganz besonderen Dornröschen

 

Schneewittchen mit ihren Zwergen

 

Grande Finale: Aber bitte mit Sahne...

 

Manchmal braucht es vor allem weiß, um die Farben des Lebens in vollem Glanz erstrahlen zu lassen. Was für eine wunderbare Explosion daraus erfolgen kann, durften die restlos begeisterten Zuschauer am vergangenen Wochenende bei „Es war einmal – das Märchen der Young Chorporation“ in der Kirchheimer Gemeindehalle erleben. Ganz in weiß trat der vierzigköpfige Chor auf. Dadurch konnten sich die Leiber der Sängerinnen und Sänger in lebendige Projektionsflächen für Bilder verwandeln, die das Publikum in unterschiedliche Märchenwelten entführten: mal mit Hänsel und Gretel in den finsteren Wald, mal mit Aschenputtel in einen pompösen Ballsaal. „Dem, der sich diesen Effekt und diese Kostümierung ausgedacht hat, gehört ein Denkmal gesetzt“, sagte Helmut Neuschwander nach der Premiere des jüngsten Werks der Young Chorporation. Er muss es wissen: als Vorsitzender des Kirchheimer Gesangvereins Liederkranz begleitet Neuschwander den Chor seit seiner Gründung vor 25 Jahren. 

 

Schon in seiner Begrüßung erinnerte der Liederkranz-Chef an die abwechslungsreiche Geschichte der Young Chorporation. Vieles sei im vergangenen Vierteljahrhundert zu sehen und zu hören gewesen von dem gemischten Chor: Musicals wie „45“ und „Bittersweet“, Shows wie „In Concert“, „Fremde Wesen“ oder „Sing – Jetzt und Hier“ mit dem Dirigenten Benedikt Immerz unter der Dusche. Oder, noch gar nicht lange her, das Roadmovie „Take the long way home“. 

 

Auf wunderbar hintersinnige und humorvolle Art zitierte der Chor sich bei seinem Jubiläumsprogramm immer wieder selbst. Da fuhr plötzlich ein alter VW-Bus aus der Garage, dem Bella – eine Figur aus dem Nachkriegsmusical „45“ – entstieg und sich gekonnt auf die Bühne tanzte. Damit hatten die Autoren Bettina Keßler, Denise Munz, Svenja Scherb, Uli Sander, Uwe Wallner und Holger Gayer gleich an zwei Meilensteine der Young Chorporation erinnert: ebenjenes Musical „45“ und „Take the long way home“, wo es ein betagter VW-Käfer war, der am Ende des Stückes aus der Garage fuhr.

 

Auch einige Helden aus dem Rockmusical „Bittersweet“ traten wieder auf: der pelzige Hook Line (Holger Gayer) mit seiner emanzipierten Gefährtin Gigi (Denise Munz) und der großartige Sänger Gabriel (Götz Schwarzkopf) mit der engelsgleichen Laura (Teresa Schmid). Und spätestens da, als die beiden zusammen mit dem Cellisten Hannes Link die hochemotionale Ballade „Vater“ spielten, dürfte im Publikum die eine oder andere Träne geflossen sein – zum einen wegen des ergreifenden Stücks an sich, aber auch weil die frühere Young-Chorporation-Dirigentin Teresa Schmid eigens aus Würzburg angereist war, um mit ihrem ehemaligen Chor zu singen und zu feiern.

 

Tatsächlich war es ein einziges, riesengroßes Fest, das die Young Chorporation ihren Fans – und sich selbst – zum Geburtstag schenkte. Auf einer Bühne, die Brigitte Wittich und Thomas Nollenberger in einen wahren Zauberkasten verwandelt hatten, ließ Regisseur Michael Arnold gekonnt die einzelnen Märchenszenen ineinander fließen. Da gaben sich Rotkäppchen, Dornröschen und Schneewittchen förmlich die Klinke in die Hand. Und sie hatten sich fantastische Freunde eingeladen: Eine unglaublich kraftvolle Band, ein urkomisches Erzähler-Duo (Julia Ofner und Hilmar Friedel) und das akrobatisch-charismatische Tanzensemble La Passion aus Lauffen machten die Lieder der Young Chorporation zu einem Feuerwerk für alle Sinne. 

 

Doch immer wieder nahm sich der Chor auch die Zeit für seine ganz eigene Kunst. Von Dirigent Benedikt Immerz perfekt eingestellt, zeigten die Sängerinnen und Sänger bei „Better run away“ oder „Give a little bit“, wie gut und vermeintlich spielerisch leicht sie selbst mit raffiniertesten Arrangements umgehen können – und das, obwohl (oder gerade weil) sie alle Lieder auswendig sangen.

 

So blieb den Gästen am Ende zweier unvergesslicher Abende nur zweierlei zu tun: sich zum Applaus für das bunte Spektakel zu erheben und darauf zu hoffen, dass Hilmar Friedels letzter Satz noch viele Jahre Bestand haben sollte: „Und weil sie nicht gestorben sind, singen sie noch heute“.

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