Zabergäuverein

Die holländische Erbschaft

Erfasst von: El-Kothany, Helga (06.10.2019)

Die Historikerin Ute Ecker-Offenhäußer trug einen Erbschaftsfall vor, der Rechtsgeschichte schrieb:

Generalfeldmarschall Paul Würz, 1612 geboren in Husum, erwirbt in und nach dem 30-jährigen Krieg dank seiner Erfolge für Holland, Dänemark und Schweden ein enormes Vermögen.

1676 stirbt er, Geliebte und Tochter hinterlassend, nicht ohne ein Testament, von Ersterer wohl dem Anwalt diktiert – und prompt angefochten.

1679 wird das Vermögen – u.a. 28 Kisten mit Gold und Silber - nach Holland überführt und an die Waisenkammer Amsterdam übergeben. Da Würz Verwandte im Zabergäu hat, schicken diese Bürgermeister Etzel aus Güglingen nach Amsterdam, um das ihnen zustehende Erbe abzuholen- ohne Erfolg. 1708 wird der Herzog von Württemberg um „Fürbitte“ gebeten. 1734 geht die Zahl der Erben bereits in die Tausende. Ab 1809 gründen sich Erbschaftsvereine. Die Waisenkammer findet jedoch das Vermögen irgendwann nicht mehr.

Als sich 1933 nach 157 Jahren die Erbschaftsvereine mangels Geld auflösen, haben von den 440.000 Gulden, die später auf angeblich viele Millionen angestiegen waren, nur die Anwälte und Agenten verdient. Weder die Verwandten noch die Geliebte Johanna und ihre Tochter Berta, welche wenige Jahre nach Würz starben, haben etwas von dem Reichtum gesehen.