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Touristik, Museen (Bönnigheim)

Vinothek Weinkolleg " Weinbau in Europa"

Erfasst von: Tiedke, Hannelore (07.10.2019)

 

Unsere Vinothekarin und Weinerlebnisführerin Regine Jung (Bildmitte) referierte im Oktober-Weinkolleg über den „Weinbau in Europa“. Anschaulich unterstrichen wurde der Theorieteil durch drei leckere Weinproben. In drei Abschnitten behandelt die Referentin zunächst die europäischen Weingesetze, danach wurde ein wenig Weingeschichte vertieft und im Anschluss daran ging es um das Klima.

Begonnen wurde die Reise durch Europa mit einem Schaumwein. „Schaumwein ist der Oberbegriff für viele prickelnde Getränke, wie Sekt, Champagner, Cremant, Cava, Prosecco und andere“, so die Referentin. “Sind die Schaumweine landes- oder regionentypisch, so sind ihre Namen geschützt. Ein Champagner darf nur mit Trauben aus der Champagne hergestellt werden, ein Cava kommt immer aus Spanien und der Prosecco ist ein Italiener.“  Als Probe wurde hierzu ein Schaumwein gereicht, der typisch für sein Land ist, aus diesem Grund ist auch der Name geschützt. Die Auflösung, woher die Proben kommen, sollte erst am Ende des Weinkollegs bekanntgegeben werden, so dass die Gäste Zeit zum Raten hatten.

„Die Weinmarktverordnung der EU von 2008“, so Regine Jung weiter, “sieht eine Harmonisierung des Weinmarktes vor und unterscheidet demnach zwischen Wein mit geschützter geografischer Herkunft und ohne geschützte geografische Herkunft. Das entspricht weitgehend dem romanischen Weinrecht. Das germanische Weinrecht, vor allem in Deutschland und Österreich angewandt, hat bisher nach der Qualität der Trauben unterschieden, heißt, je mehr Mostgewicht (Öchsle), desto besser der Wein. Heute wird unterschieden nach:

1. Wein ohne Angabe der Rebsorte und der Herkunft, was dem früheren Tafelwein entspricht,

2. Wein mit geschützter geografischer Herkunftsangabe, dem bisherigen Landwein. Diese Kategorie macht ca. 85 % unserer Weine aus.

3. Wein mit geschützter Ursprungsbezeichnung, was dem Qualitäts- oder Prädikatswein entspricht und ausschließlich aus dem genannten Gebiet seine Trauben bezieht. Bisher hatten diese Weine die Bezeichnung AOP oder DOP, was die höchste Qualitätsstufe von Weinen mit kontrollierter Herkunft bezeichnet.“

Bevor es im zweiten Teil um die Weingeschichte ging, wurde den Gästen und Zuhörern ein Weißwein gereicht, der aus einem Gebiet mit heißen, trockenen Sommern und langen kalten Wintern kommt. Er wird im Schwemmland eines Flusses angebaut. Auch dieses Rätsel wurde erst am Ende aufgelöst.

„Weltweit gibt es zwei wichtige Weinbauzonen“, referierte Regine Jung weiter, „auf der nördlichen Halbkugel zwischen dem 40. und dem 50. Breitengrad und auf der südlichen Halbkugel zwischen dem 30. und dem 40. Breitengrad. Weltweit sind ca. 7,5 Millionen Hektar Rebflächen verbaut, davon ca. 4,1 Millionen Hektar in Europa. Europa produziert den größten Anteil an Wein weltweit, was an seinem geschichtlichen Hintergrund liegt. Nur wer sesshaft ist, kann Wein anbauen. Europäische Auswanderer haben später Weinreben nach Australien, Amerika und Südamerika ausgeführt. Die längere Tradition hat in jedem Fall Europa. Die größten Rebflächen in der EU sind in Spanien mit 975.000 Hektar und Frankreich mit 800.000 Hektar zu finden. Obwohl Spanien die größte Fläche bebaut, wird in Italien mehr Wein produziert. Das liegt vor allem am günstigeren Klima in Italien. Durch den Apennin verfügt das Land über Höhenlagen mit warmen, sonnenreichen Tagen und kühlen Nächten. Wo die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht groß sind, gedeihen frische Weine mit mehr Säure, je weiter man nach Süden kommt, desto kräftiger werden die Aromen. Die weltweit meist angebaut Rebsorte ist der Cabernet Sauvignon, gefolgt vom Merlot. Unser heimischer Lemberger rangiert auf Platz 43, der Trollinger ist auf der Liste, die auf 150 Sorten begrenzt ist, nicht mehr zu finden.“

Als dritte Probe wurde ein Rotwein gereicht. Laut Regine Jung hat er einen Restzuckeranteil von mehr als 50 %, dennoch ist der Wein nicht süß, sondern fruchtig und säurehaltig. 

Die Erziehungsformen der Reben werden an die klimatischen Verhältnisse angepasst, in dem sie wachsen. In Deutschland häufig zu finden ist die Drahtanlage. Meistverwendet ist das Guyot System mit einem einfachen oder doppelten Bogen. Auf der Kykladeninsel Santorin werden die Reben auf dem Boden zu Kringeln geformt. Die Trauben wachsen im Inneren der Kringel und sind somit nicht dem starken Wind ausgesetzt. 

Ein ausgesprochen interessantes und lehrreiches Weinkolleg geht mit der Auflösung der genossenen Weine zu Ende. Alle drei stammen aus Spanien: Der Cava kommt aus Katalonien, der Weißwein ist ein Verdejo aus Nordspanien und der Rotwein ist ein Tempranillo  aus Valencia.

Text und Fotos: Ursula Körber