Bündnis Sicherer Hafen Kirchheim

#LeaveNoOneBehind

Erfasst von: Hennig, Stephan (03.05.2020)

 

 

Wir sind das Bündnis Sicherer Hafen Kirchheim am Neckar – ins Leben gerufen kurz vor der Corona-Pandemie. Wir hatten uns auf Bürgerschaftsebene aus einer ersten Initiative im Juni 2019 zusammengefunden. Damals fand unter Mitwirkung des Flüchlingsdiakonats des Kirchenbezirks Besigheim ein Filmabend im Bönnigheimer Gemeindehaus der Ev. Kirchengemeinde statt. Friedhold Ulonska, einer der Kapitäne der Zivilen Seenotrettungsboote im Mittelmeer, berichtete mit dem Dokumentarfilm „Die Mission der Lifeline" über die katastrophalen Verhältnisse der Flüchtenden auf dem lebensbedrohlichen Transit übers Meer.

 

An der Situation der Flüchtenden hat sich seither nichts geändert, höchstens verschärft. Die Flucht über das Meer findet in gleicher Anzahl statt wie vor Corona. Im Moment werden, wie auch schon in den Jahren zuvor geschehen, Seenot-Rettungsboote mit vorgeschobenen Verfügungen am Auslaufen gehindert. Auch das von der Ev. Landeskirche mitfinanzierte Aufklärungs-Flugzeug Sea-Eye wird an den Aufklärungsflügen behindert. Damit gibt es weniger Live-Filmaufnahmen von Ertrinkenden. Aber dennoch flüchten weiter Menschen und ertrinken, Tag für Tag. Sie werden nicht gerettet, wie es eigentlich festgeschriebenes Seerecht gebietet. Stattdessen wird wissentlich Seerecht und Menschenrecht gebrochen. Und zwar nicht von Ländern mit fragwürdiger Staatsführung, sondern von uns, den Ländern der Europäischen Union.

 

Die Lager auf europäischem Gebiet in Griechenland werden sich selbst überlassen. Anstatt dass dort festgehaltenen Menschen aus Gründen der Humanität und des Gesundheitsschutzes evakuiert werden, sitzt man im EU-Parlament aufgrund eines fehlenden gemeinsamen Beschlusses das Desaster aus. Nur Luxemburg und Deutschland haben bisher gemeinsam 62 Kinder aus den Lagern geholt. All das ist Unrecht und widerspricht den Grundfesten unserer Werte- und Gesellschaftsordnung, die uns hier in Deutschland eine so privilegiertes Dasein möglich macht. Das Bündnis Sicherer Hafen Kirchheim am Neckar möchte dieses Privileg den Flüchtenden weitergeben. Wir möchten Menschen auf der Flucht helfen und ihnen einen Sicheren Hafen anbieten, mit dem Anrecht auf eine menschliche Unterbringung und Versorgung und dem Recht auf ein Asylverfahren.

 

Deshalb möchten wir Kirchheim am Neckar symbolisch und hoffentlich auch praktisch zum Sicheren Hafen machen. Das wäre zunächst einmal eine offizielle Solidaritätserklärung für flüchtende Menschen, ohne weitere Verpflichtung. Und wir finden, dass diese Erklärung jederzeit Geltung hat, auch oder besonders in Zeiten wie diesen, in denen wir alle merken wie angreifbar wir Menschen sind und wie sehr uns diese Fragilität einen sollte. Auf folgenden Websites gibt es mehr Infos zur Aktion "Seebrücke" und "Sicherer Hafen":

 

seebruecke.org

united4rescue.com

 

Es geht dabei an erster Stelle um Solidarität unter uns Menschen, um Hilfe, Nächstenliebe, um Empathie – grenzüberschreitend. Eine Stadt, eine Gemeinde muss nicht am Meer liegen, um einen sicheren Hafen zu bieten. In ganz Deutschland gibt es bereits über 144 Orte, viele davon in Baden- Württemberg, die sich zu sicheren Häfen erklärt haben und damit dem gleichnamigen Bündnis per Ratsbeschluss beigetreten sind. Das wünschen wir uns auch für Kirchheim am Neckar. Die Sprecher des Bündnisses Stephan Hennig und Götz Schwarzkopf und das Flüchtlingsdiakonat des Ev. Kirchenbezirks Besigheim freuen sich über Unterstützung (Kontakt: Tel. 071343 891423, Büro facedesign).