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ARCHIV: Schulsozialarbeit

Tagebuch einer Mutter in Corrona-Zeiten

Erfasst von: Goldmann, Martina (22.06.2020)

 

Liebe Leser*innen,

 

nun tritt langsam eine neue Normalität ein. Viele gehen wieder offline arbeiten. Die meisten Kinder werden zumindest wieder teilweise beschult. Geschäfte haben geöffnet und endlich sind auch wieder soziale Kontakte möglich. Auf der anderen Seite hören wir immer wieder von einzelnen Ausbrüchen und eine Unsicherheit schwingt immer noch mit. Ich möchte heute noch einmal einen kurzen Blick auf den Beginn der Pandemiezeit richten.

 

Tagebuch einer Mutter in Corona Zeiten- oder: wie führe ich ein kleines Familienunternehmen

Verfasst von Nora Schreyer

 

Sonntag 15.03.2020

Seit Freitagmittag überschlagen sich die Corona-Liveticker im TV und online. Die Zahlen der Infizierten steigen immer weiter und das Kultusministerium hat die Schulschließungen im ganzen Land ab dem 17.03. verkündet.

Um 22.25 Uhr ein Anruf des Klassenlehrers meines Sohnes - da es einen Verdachtsfall in unserem Heimatort gibt, werden die Schulen bereits ab Montag dem 16.03. geschlossen. Eine Mischung aus Angst, Unsicherheit und Aufregung macht sich breit. Wie wird der nächste Tag aussehen, was sagen die Kinder dazu, dass keine Schule ist und wie reagiert mein Arbeitgeber?

 

Montag 16.03.2020

Vor dem Wecken der Kinder stehen noch Absprachen sowie Telefonate  mit Schule und Arbeitgeber an – wir haben das Glück, dass wir Eltern beide an  Schulen arbeiten und diese jetzt auch geschlossen sind. Aber keiner weiß so genau, was jetzt zu tun ist. Das einzige, das klar ist -  die Schulen dürfen nicht betreten werden. Eigentlich war für heute geplant, dass die Schüler*innen noch mit genügend Material eingedeckt werden und auf das Homeschooling vorbereitet werden. Also erstmal abwarten, Mails checken und frühstücken.

Die Kinder feiern die vermeintlich neu gewonnene Freiheit.

Dann steht eine erste „Mitarbeiterschulung“ mit meinen Kindern an. Ab sofort wird von zu Hause gearbeitet - das bedeutet keine Coronaferien, auch wenn dies in den Medien so benannt wird.  Der Kontakt zu Freunden und Nachbarkindern ist ab sofort einzustellen - dies meinen Kindern zu erklären ist nicht einfach und stößt erstmal auf Unverständnis.

 

Dienstag 17.03.2020

Nach Absprache mit meinem Arbeitgeber ist erstmal klar, dass wir im Homeoffice arbeiten werden - aber wie eigentlich ohne technische Ausrüstung, ohne Instrument für Teamsitzungen oder Strategien, wie Homeoffice in einem Beruf wie meinem eigentlich aussehen kann.

Zuerst aber heißt es - Material für meine Kinder an der Schule abholen. Und zwar alleine und mit Abstand und ohne etwas anzufassen.

Verpflegung wird heute outgesourct - Essen lassen wir liefern.

 

Mittwoch 18.03.2020

Langsam haben wir uns räumlich eingerichtet im Homeoffice und Homeschooling. Dass eine Struktur und ein fester Tagesablauf wichtig sind, haben wir schnell gemerkt.

Morgens wird nach dem Frühstück mit dem Homeschooling begonnen. Ich als Mutter arbeite häufig im Schichtbetrieb, sprich Frühschicht, bevor der Rest der Familie aufsteht und Spätschicht, wenn die Kinder im Bett sind. Wer glaubt, dass Homeschooling und Homeoffice gut nebeneinander harmonisieren, darf gerne mal eine Schicht mit mir tauschen. 

Da mein Mann als Teil der Schulleitung tageweise an die Schule muss, hängen an mir auch noch alle anderen Aufgaben im neu strukturierten Familienunternehmen: Verpflegung der Mitarbeiter*innen, Controlling der Aufgaben, Qualitätsmanagement, Verbesserung der Arbeitsprozesse.

 

Donnerstag 19.03.2020

Heute war ich illegaler Weise und inkognito an der Schule, um mich mit Material aus meinem Büro für das Homeoffice einzudecken. Da ich von zu Hause am Privatlaptop arbeite, fehlten mir meine Daten und Unterlagen aus dem Büro. Außerdem habe ich im Lehrerzimmer Grüße per Brief und Informationen zu meiner Erreichbarkeit hinterlassen. Ich bin nämlich, auch wenn es sich manchmal so anfühlt, nicht untergetaucht.

 

Freitag 20.03.2020

Puh- erste Woche zu Hause geschafft! Ich hatte mir vorgestellt, dass es noch schlimmer wäre. Aber die Kinder waren trotz allem recht motiviert und haben gut ihre Pläne abgearbeitet. Etwas Stolz ist auch dabei. Ich habe mein Team gut durch die erste Woche gebracht. Es gab außer ein paar Streitigkeiten, Tränen und kleine bis mittlere Nervenzusammenbrüche keine nennenswerten betrieblichen Störungen.

Heute Nachmittag haben wir uns eine Belohnung verdient - Eis für alle vom neu eingerichteten Lieferservice unserer Eisdiele. Nicht alles in Zeiten von Corona ist schlecht!

 

Wenn Ihnen das auch bekannt vorkommt. Sie in den letzten Wochen auch über sich hinausgewachsen sind und neben Mutter und Arbeitnehmerin auch Lehrerin, Erzieherin, Therapeutin, Entertainerin, Musikern, Fitnesstrainerin und Coach waren, dann können Sie stolz auf sich sein. Sie haben viel geleistet!

 

Ich hoffe, Sie haben die Zeit der sozialen Isolation gut überstanden und sind daran gewachsen und haben Neues dazu gelernt.

 

Wichtig ist aber immer noch: Sie müssen das nicht alles alleine schaffen, sondern dürfen Tipps, Anregung und Hilfe von anderen annehmen!

 

Wir von der Schulsozialarbeit sind für Sie erreichbar.

Lea Mickler (RS und Gymansium) ist erreichbar Mo-Fr unter
Tel: 07143 885 248 oder unter Lea.Mickler@djhn.de

 

Nora Schreyer (GS) ist Mo-Do erreichbar unter 07143 885 258 oder unter 0151 291 98730  oder unter Nora.Schreyer@djhn.de

 

Nummer gegen Kummer : 116 111 ( nummergegenkummer.de)

Elterntelefon : 0800 1110550

 

 

Ein Eindruck aus dem Homeoffice