ARCHIV: Aus dem Gemeinderat

Kirchheimer Bahnhof soll barrierefrei werden

Erfasst von: M├╝ller, Elke (07.09.2020)

Für die Gemeindeverwaltung steht das Thema Barrierefreiheit im Ort längst ganz oben auf der Prioritätenliste. Denn, bis Ende 2022 sollen gemäß einer gesetzlichen Vorgabe Bordsteine, die Zugänge zu öffentlichen Gebäuden und Bushaltestellen barrierefrei gestaltet werden. Bei ihren Bemühungen lässt sich die Gemeinde von Alexander Lang aus Mühlacker beraten, der selber an den Rollstuhl gebunden ist. Lang weiß also, wovon er spricht und steht der Verwaltung nun auch bei zwei weiteren, noch ambitionierteren Vorhaben mit Rat und Tat zur Seite: Wenn einmal im Zuge der geplanten Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes der Busbahnhof fertig ist, soll auch diese Einrichtung barrierefrei sein. Und dann ist da schließlich noch der Bahnhof mit seinen vielen Treppen, über die Eltern mit einem Kinderwagen sowie alte und behinderte Menschen bislang nur mit großer Mühe zu den beiden Bahngleisen gelangen.

 

Auch die Deutsche Bahn hat mittlerweile die Brisanz des Themas erkannt und entsprechende Initiativen für die Herstellung behindertengerechter Bahnhöfe gestartet. Bei der jüngsten Bahn-Aktion zur Barrierefreiheit ist der Kirchheimer Bahnhof allerdings „durchgefallen“, wie es Bürgermeister Uwe Seibold am Donnerstag der vergangenen Woche im Gemeinderat formulierte. Statt der Zugstationen in Kirchheim und Besigheim soll nun der Walheimer Bahnhof barrierefreie Zu- und Übergänge erhalten. Der Gemeinde Kirchheim eröffnet sich indes jetzt eine neue Chance, über die Seibold letzte Woche im Rat berichtete: Demnach will das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur Finanzmittel bereitstellen, um speziell kleinere Bahnhöfe mit 1.000 bis zu 4.000 Reisenden pro Tag behindertengerecht zu machen.

 

Das Land hat die Gemeinde mit ihrem Vorhaben schon für die Aufnahme in dieses Programm angemeldet. Kirchheim hatte sich dafür wiederum bereits im März äußerst interessiert gezeigt. Verspricht doch die Teilnahme am besagten Bundesprogramm eine Übernahme von 90 Prozent der Kosten für die barrierefreie Umgestaltung des Bahnhofs. Weil die Gemeinde für ihr Vorhaben gesicherte Erkenntnisse zum sinnvollen behindertengerechten Aus- und Umbau des Bahnhofs benötigt und es außerdem die Teilnahme am Programm des Bundes erforderlich macht, gibt die Gemeinde nun eine Machbarkeitsstudie in Auftrag. Dafür erhielt sie letzte Woche vom Gemeinderat per Beschluss grünes Licht. Als ein Wermutstropfen erschien einigen Ratsmitgliedern lediglich, dass die Deutsche Bahn darauf besteht, diese Untersuchung selber durchzuführen. Dies lässt sich das Unternehmen mit einem Betrag von rund 36.000 Euro bezahlen.

 

Eigentlich wollte die Gemeinde eine entsprechende Expertise selber in die Wege leiten. Lang habe die Verwaltung indes „eines besseren belehrt“, erklärte Seibold. Zudem wollte sich die Deutsche Bahn, wie bereits erwähnt, das Ganze nicht aus der Hand nehmen lassen. Also wird nun die beauftragte Bahntochter DB Engineering und Consulting – Region Südwest aus Karlsruhe ab Oktober bis zum Jahresende eruieren, wie es gegenwärtig um die Barrierefreiheit am Kirchheimer Bahnhof bestellt ist und was getan werden könnte, um im Sinne der Behinderten Verbesserungen zu erreichen. Dabei soll auch geprüft werden, ob anstelle der vorhandenen Treppen an der Unterführung ein Aufzug oder eine Rampe die geeignetere Lösungsvariante wäre. Wie Lang favorisiert auch die Gemeinde eine Rampenlösung. Dies hatten Lang und Seibold schon beim jüngsten Ortsrundgang zum Thema Barrierefreiheit deutlich gemacht. Die Kosten für die Machbarkeitsstudie will die Gemeinde übrigens möglichst in die Planungskosten miteinbeziehen, sollte sie mit ihrem Vorhaben ins Bundesprogramm aufgenommen werden.