ARCHIV: Aus dem Gemeinderat

Strittiges Baugesuch wirft Fragen zur Ortsinnenstruktur auf

Erfasst von: M├╝ller, Elke (07.09.2020)

Das Baugesuch eines Bauherrn in der Lissenstraße hat jetzt die Verwaltung auf den Plan gerufen und in der unmittelbaren Nachbarschaft zu Aufregungen geführt. Dies berichtete Bürgermeister Uwe Seibold am Donnerstag der vergangenen Woche im Gemeinderat. Der Antragsteller will auf dem bisher landwirtschaftlich genutzten Gelände in der Lissenstraße 11 die vorhandene Scheune abreißen und dort anschließend ein Doppelhaus mit zwei Stellplätzen errichten. Dadurch könne sich ein Präzedenzfall ergeben, beschrieb Seibold die mögliche Konsequenz einer solchen Baumaßnahme. Statt seither nur bis zur zweiten Reihe, würde im betreffenden Areal erstmalig bis in die dritte Reihe – also noch weiter im hinteren Grundstücksbereich – gebaut, so Seibold. Jetzt sucht die Verwaltung nach einer Lösung und will den Fall genauer prüfen. Der Gemeinderat folgte letzte Woche dem Vorschlag der Verwaltung und verweigerte dem Baugesuch erstmal sein Einvernehmen.

 

Hauptamtsleiterin Ranjana Hoffmann erklärte im Rat zum Baugesuch, die Gemeinde habe grundsätzlich nichts dagegen einzuwenden. Die Frage sei aber, ob durch eine solche „enorme“ Nachverdichtung „die gewachsene Struktur im Ort“ aufgelöst werde. Wenn auf den Grundstücken im dortigen Quartier überall in der dritten oder auch in der vierten Reihe gebaut würde, könne sich möglicherweise das Ortsbild zum negativen verändern, argumentierte Hoffmann. Und Seibold ergänzte, es sei generell die Frage zu klären, ob es nur darum ginge, die bauliche Nachverdichtung zu forcieren, oder auch darum, die vorhandenen Grünbereiche zu erhalten. Die Mitglieder des Gemeinderats bat der Bürgermeister darum, ihr „Bauchgefühl“ zum Ausdruck zu bringen. Man solle das Ganze zunächst einmal detaillierter untersuchen, lautete der Tenor im Rat. Damit machte sich das Gremium letztlich die abwartende Haltung der Verwaltung zu Eigen.

 

Weil die Gemeinde im betreffenden Ortsteil grundsätzlich die innerörtliche Bebauung unterstützt, hat der Gemeinderat letzte Woche auch den Bebauungsplan „Schiller-/Lissen- und Uhlandstraße“ per Beschluss auf den Weg gebracht. Das rund 0,9 Hektar große Plangebiet soll die Grundstücke umfassen, die südlich von der Lissenstraße, westlich von der Schillerstraße, nördlich von der Uhlandstraße und östlich von der Besigheimer Straße liegen. Die Aufstellung des Bebauungsplans steht somit nicht nur, aber auch in Zusammenhang mit dem erwähnten strittigen Baugesuch. Und damit die Gemeinde über die künftige bauliche Entwicklung im betreffenden Gebiet mitbestimmen kann, stimmte der Gemeinderat schließlich auch der Empfehlung der Verwaltung zu, den Planbereich mit einer Veränderungssperre zu belegen.