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Baukultur-Ausstellung in der Alten Kelter und im Rathaus

Erfasst von: M├╝ller, Elke (14.09.2020)

Im Rathaus und in der Alten Kelter ist derzeit eine Wanderausstellung zu sehen, in der insgesamt 24 besonders nachhaltige und zukunftsweisende Bauprojekte aus ganz Baden-Württemberg vorgestellt werden. Jedes dieser Projekte wurde in diesem Jahr vom Landesministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau mit einem Staatspreis oder mit einer Anerkennung ausgezeichnet. Darunter befindet sich auch das Kirchheimer Umbauprojekt Alte Kelter, das im Rahmen des Wettbewerbs „Staatspreis Baukultur Baden-Württemberg 2020“ in der Sparte „Bauen für die Gemeinschaft“ eine von 16 Anerkennungen erhielt. Die offizielle Preisverleihung durch Wirtschafts- und Wohnungsbauministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut musste Ende März wegen der Corona-Epidemie im Netz stattfinden. Hoffmeister-Kraut hatte damals den Gewinnern des Staatspreises Baukultur und den Empfängern der Anerkennungen virtuell per Livestream gratuliert.

 Wanderausstellung

 

Umso erfreuter zeigte sich nun Bürgermeister Uwe Seibold am Donnerstag letzter Woche darüber, dass er in der vom Land prämierten Alten Kelter einen kleinen, überschaubaren Kreis von eingeladenen Gästen zur Ausstellungseröffnung begrüßen konnte – selbstverständlich unter Einhaltung der Corona-Regeln. Nach der gelungenen musikalischen Einlage durch das Quartett mit Thomas Nollenberger, Tillmann Schoch sowie Götz und Johann Schwarzkopf hieß Seibold die Vernissage-Besucherinnen und -Besucher im ehrwürdigen Gebäude aus dem 16. Jahrhundert willkommen. Die Freude sei groß gewesen, als die Gemeinde im Frühjahr von der Auszeichnung durch das Land erfahren habe, äußerte sich Seibold enthusiastisch im Beisein des Stuttgarter Architekten Holger Lohrmann vom Büro Lohrmannarchitekt. Seibold bedankte sich nicht nur bei Lohrmann, sondern auch bei Nollenberger für dessen Mitwirkung im Projektteam für die 2018 realisierte Innensanierung der Alten Kelter. Nollenberger hatte ehrenamtlich unzählige Stunden in die Renovierung der Kelter investiert.

 

Wanderausstellung

 

Als Vertreter des Landesministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau nannte Prof. Dr. Markus Müller anschließend in seinem Grußwort einige der Kriterien, die die Staatspreis-Jury bei ihrer Bewertung des Kirchheimer Kelterprojekts geleitet hatten. In Anlehnung an die Band, die zuvor John Lennons Titel „Imagine“ auf ihre Weise kreativ gecovert hatte, beschrieb Müller die Vorgehensweise des Architekten als einen „stillen, zurückhaltenden“ Prozess, im Verlauf dessen sich der Planer die Alte Kelter erstmal „angeeignet“ und dann „selbst etwas daraus gemacht“ habe. Gemäß der Jury-Beurteilung solle die Architektur „nicht nur dem Zweckdenken untergeordnet werden“, erläuterte Müller. Aus der sanierten Kirchheimer Kelter sei dadurch „mehr, als ein Haus an sich“ geworden.

 

Lohrmann bedankte sich wiederum bei Müller für die Würdigung des Kelterprojekts durch das Land und bei Seibold sowie bei Nollenberger für die gute Zusammenarbeit im Projektteam. Besonders mit Nollenberger habe es viele wertvolle und konstruktive Diskussionen gegeben, so Lohrmann. Dank des Landeswettbewerbs sei das Thema Baukultur in der Öffentlichkeit angekommen. Der Kelterumbau sei für ihn ein ganz besonderes – ein „politisches Projekt“ – gewesen, meinte der Architekt. Nach dem Krieg hätten viele Kommunen oft nach dem Grundsatz „Das alte `Glomb´ muss weg“ gehandelt und wertvolle, historische Bausubstanz einfach beseitigt. Die heutige Generation habe indes dafür ein „neues Bewusstsein“ entwickelt und empfinde „Ehrfurcht vor den Spuren der Vergangenheit“. Und Nollenberger schwärmte – bereits wieder auf der Bühne, mit dem Mikrofon in der Hand – vom feinfühlig renovierten Gebäude mit der hohen, nach oben geweiteten Decke: „Immer, wenn ich in der Alten Kelter bin, geht mir das Herz auf“.

 

Die derzeitige Wanderausstellung mit den 52 Tafeln und Roll-Ups zu den prämierten Staatspreis-Baukultur-Projekten ist noch bis zum 24. September im Rathaus und in der Alten Kelter zu sehen. Auf den Bild- und Texttafeln, aber auch an einem Touch-Panel und per Video auf einer Media-Stele erfahren interessierte Ausstellungsgäste neben Hintergrundinformationen zum jeweiligen Projekt zum Beispiel auch einiges zur Jurybewertung und zur Zusammensetzung der Jury.

 

In Ihrer Bewertung des Kirchheimer Umbauprojekts hatte die diesjährige Staatspreis-Jury hervorgehoben, die Alte Kelter habe „durch neuen Gebrauch als Treffpunkt der Gemeinde eine dem zentralen Standort gemäße, öffentliche Bedeutung gewonnen“ und sei dabei „doch ganz ein authentisches Zeugnis ihrer langen Geschichte“ geblieben. Und auf der Staatspreis-Baukultur-Homepage heißt es zum Kirchheimer Projekt: „Die bemerkenswert unspektakulär konzipierte und realisierte Wiedernutzbarmachung des ortsbildprägenden Gebäudes gelang durch wenige, kaum sichtbare Eingriffe und Ergänzungen der Bausubstanz sowie durch den Erhalt der verwitterten, `erzählenden´ Oberflächen im Inneren und der Fassade“. Auf diese Weise sei es gelungen, den ursprünglichen Charakter der Alten Kelter zu bewahren und es trotzdem vielfältig nutzbar zu machen.

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