ARCHIV: Aus dem Gemeinderat

Gemeinsame Stelle für Flüchtlingssozialarbeit

Erfasst von: Grieb, Petra (29.03.2021)

Im kommenden Herbst läuft das Förderprogramm „Gelebtes Evangelium“ nach fünf Jahren aus. Dies teilte Ordnungs- und Kulturamtsleiterin Andrea Fritz am Donnerstag der vergangenen Woche im Gemeinderat mit. Fritz hatte letzten Monat bereits im Sozialausschuss darüber informiert. 2016 hatten Bönnigheim, Kirchheim und Erligheim im Verbund mit dem Kirchenbezirk Besigheim sowie den Evangelischen Kirchengemeinden in Bönnigheim, Hohenstein, Kirchheim und Erligheim gemeinsam ein Flüchtlingsprojekt gestartet.

 

„Wir befanden uns damals in der Hochphase der Flüchtlingskrise“, erinnerte sich Bürgermeister Uwe Seibold letzte Woche im Rat. Von Kirchen- wie von Kommunenseite einigte man sich damals auf die Einrichtung einer gemeinsamen Diakonenstelle für die Flüchtlingssozialarbeit, die jeweils zu 50 Prozent von den Kirchen und den Kommunen finanziert wurde.

 

Jetzt haben Vertreterinnen und Vertreter der beteiligten Kirchengemeinden und Kommunen zusammen mit Dekan Eberhard Feucht vom Kirchenbezirk Besigheim beschlossen, die gemeinsame Stelle für Flüchtlingssozialarbeit befristet auf weitere drei Jahre beizubehalten. Dieser Einigung hat letzte Woche auch der Kirchheimer Gemeinderat zugestimmt. Demnach übernehmen der Besigheimer Kirchenbezirk und die Kirchengemeinden künftig 20 Prozent der Kosten für die Stelle, während die drei Kommunen insgesamt 80 Prozent der nötigen Finanzmittel beisteuern.

 

Bis zum Frühjahr 2020 hatte die Diakonin Debora Schüz vom Kirchenbezirk Besigheim die Flüchtlinge in Bönnigheim, Kirchheim und Erligheim betreut. Seit rund einem Jahr kümmert sich jetzt Saskia Heiner als deren Nachfolgerin um die Asylsuchenden, die in den drei Kommunen untergebracht sind. Sollte Heiner vorzeitig ihre Tätigkeit beenden, regelt nun eine Ausstiegsklausel, dass dann die Projektverantwortlichen gemeinsam überlegen und entscheiden sollen, ob die Stelle erneut besetzt wird oder nicht. Bürgermeister Uwe Seibold beschrieb die Regelung letzte Woche als „Sprechklausel“.

 

„Heiner leistet eine sehr gute und wichtige Arbeit. Das kriegen wir tagtäglich zu spüren“, erklärte Fritz in der vergangenen Woche im Gemeinderat. In der Corona-Zeit sei der Beratungsbedarf bei den Asylsuchenden enorm gestiegen. Dementsprechend schwierig sei letztes Jahr der Start für Heiner am Anfang der Corona-Pandemie gewesen. Fritz ließ anschließend noch einmal kurz die Zeit von vor fünf Jahren Revue passieren, als es allein in Kirchheim über 100 Flüchtlinge gab. Derzeit lebten im Ort immerhin noch 85 Menschen in Not.

 

Fritz erwähnte auch die vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, die sich um die Asylsuchenden bemühten. „Die Integration ist nicht nach ein oder zwei Jahren vorbei. Es dauert oft mehrere Generationen, bis die Menschen ihren Weg in unsere Gesellschaft finden“, warb Fritz bei den Ratsmitgliedern um Zustimmung zur Weiterführung des Flüchtlingsprojekts, die sie dann auch prompt von allen Seiten bekam.

 

Immanuel Schmutz zeigte sich sehr erfreut darüber, dass die gemeinsame Stelle für die Flüchtlingssozialarbeit erhalten bleibt. „Dies ist eine christliche Kernaufgabe“, meinte Schmutz. Während Seibold die Kirchenseite ausdrücklich dafür lobte, dass sie sich auch weiterhin an der Finanzierung der Stelle beteiligt, dankte Stephan Hennig der „bürgerlichen Gemeinde“ für deren Bereitschaft, ihren Obolus für das Projekt beizusteuern. Auch Hennig sah die Integration der Flüchtlinge als eine langfristige Aufgabe. Inge Schemminger beschwor die Anwesenden in Anbetracht der Verschärfung des weltweiten Klimawandels: „Das Thema hört nicht auf. Wir müssen weiter am Ball bleiben“.