ARCHIV: Aus dem Gemeinderat

Wilhelmstraße wird verkehrsberuhigt

Erfasst von: Grieb, Petra (29.03.2021)

Die Wilhelmstraße hat sich im Ort mittlerweile zu einem regelrechten Hotspot entwickelt, was das Fehlverhalten so mancher Autofahrerinnen und Autofahrer anbelangt. Immer wieder beklagten sich die dortigen Anwohnerinnen und Anwohner über die permanente Raserei – besonders im ungewöhnlich breiten südlichen Teil der Wilhelmstraße. Die Gemeinde sucht dort schon seit Jahren nach geeigneten Lösungen zur Verkehrsberuhigung und hat mit Stefan Wammetsberger vom Büro Koehler und Leutwein aus Karlsruhe einen kompetenten Fachmann an ihrer Seite. Der Verkehrsplaner kennt sich in Kirchheim bestens aus. Im Zuge der Erarbeitung des Lärmaktionsplans wurde Wammetsberger bereits hinlänglich mit den örtlichen Verkehrsproblemen konfrontiert – natürlich auch mit der Wilhelmstraße.

 

Mehrmals hat Wammetsberger wie Bürgermeister Uwe Seibold im Gemeinderat darauf hingewiesen, dass die Wilhelmstraße ebenso wie andere innerörtliche Verkehrswege vermehrt als Ausweichroute benutzt wird, wenn es darum gilt, die Bundesstraße B 27 zu umfahren. Auch an diesem Problem arbeitet die Gemeinde zusammen mit Wammetsberger schon seit geraumer Zeit. Jetzt will die Gemeinde endlich einige konkrete Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung in der Wilhelmstraße umsetzen, die Wammetsberger bereits im September des vergangenen Jahres im Gemeinderat skizziert hatte. Noch im Frühjahr soll der nördliche Teil der Wilhelmstraße ab der Friedenstraße nur noch in Richtung Schillerstraße befahrbar sein. Neben dieser Einbahnlösung soll ein System aus alternierenden Parkplätzen und Blumenkübeln auf beiden Seiten der Fahrbahn dazu beitragen, dass die Autofahrerinnen und Autofahrer ihr Tempo in der Wilhelmstraße immer wieder drosseln müssen.

 

Am Donnerstag letzter Woche ging Wammetsberger noch einmal präzise darauf ein, was die Gemeinde im Einzelnen vorhat: Sowohl im nördlichen Teil der Wilhelmstraße – der künftigen Einbahnstraße, als auch im südlichen Straßenabschnitt sollen nun wechselweise mal auf der einen, mal auf der anderen Seite Längsparkplätze angelegt und auch als solche markiert werden. So sollen, flankiert von etlichen Blumenkübeln, mehrere voneinander versetzte Parkzonen entstehen. In der breiten südlichen Wilhelmstraße sollen zudem einige ausladende Blumenkübel genau auf der Straßenseite positioniert werden, wo sich keine Parkplätze befinden. Dort hat man auch den noch bestehenden Busverkehr mitberücksichtigt, der indes später einmal nach der Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes nicht mehr durch die Wilhelmstraße rollen soll. Der Einmündungsbereich in die Schillerstraße, wo auf dem früheren Volksbank-Areal gerade ein Wohnkomplex gebaut wird, soll erstmal außen vor bleiben, wird dann aber später ebenfalls in die Verkehrsberuhigungsmaßnahme miteinbezogen.

 

Der Gemeinderat stimmte letzte Woche dem Verkehrsberuhigungskonzept von Wammetsberger zu, das gegenüber dem Konzept vom September 2020 nur eine Änderung enthielt: Anstelle der ursprünglich vorgesehenen Schrägparkplätze im Einbahnstraßen-Abschnitt hin zur Schillerstraße sollen nun auch dort – wie im Rest der Wilhelmstraße – ausschließlich Längsparkplätze angelegt werden. „Dadurch bleiben die Gehwege frei und Radfahrer sind besser zu erkennen“, meinte Seibold zur Begründung. Zwar würden im Zuge der Verkehrsberuhigungsmaßnahme in der Wilhelmstraße einige Parkplätze wegfallen. Dies tät aber insgesamt der Straße gut, fügte Seibold an. Laut Wammetsberger wurde das Verkehrsberuhigungskonzept bereits mit dem Landratsamt vorabgestimmt. Daher rechnen der Planer und die Gemeinde jetzt mit einer zügigen Genehmigung für die Umsetzung.

 

In der Aussprache lobte Stephan Hennig ausdrücklich das Einbahnstraßen-Konzept und hoffte auf eine schnelle Realisierung der Verkehrsberuhigungsmaßnahmen. Was ihm fehlte, war ein Zebrastreifen-Übergang im Bereich der Friedensstraße für die Schülerinnen und Schüler, die sich in Richtung Bahnhof bewegen. Dies sei eine bauliche Maßnahme, gab Wammetsberger daraufhin zu Bedenken. Umbauten auf der Fahrbahn seien zum jetzigen Zeitpunkt erstmal nicht geplant. Nun ginge es zunächst einmal lediglich darum, mit den Längsparkplätzen und Blumenkübeln eine Temporeduktion in der Wilhelmstraße zu erreichen. Dieser erste Schritt hin zu einer Verkehrsberuhigung solle nun immer wieder evaluiert werden. Man wolle erstmal sehen, ob sich die Maßnahmen bewähren und gegebenenfalls nachjustieren. Erst dann soll eine Dauerlösung entstehen.

 

Hubert Deisinger hätte sich die Einbahnstraßen-Regelung lieber in Richtung Süden gewünscht, damit der Autoverkehr von der Autobahn nicht mehr über die Wilhelmstraße in den Ort rauschen kann. Tobias Vogt sprach sich dafür aus, an der Einmündung der Wilhelmstraße in die Schillerstraße weitere Blumenkübel vorzusehen, um zu verhindern, dass dort Falschfahrer entgegen der Einbahnrichtung in die Wilhelmstraße einbiegen. „Das Verkehrsthema wird uns in den nächsten Jahren immer wieder beschäftigen, weil es keine Umgehungsstraße gibt“, bemerkte Immanuel Schmutz. Auch Schmutz lobte den ersten Schritt zur Verkehrsberuhigung der Wilhelmstraße. Funktioniere das Ganze dort, könne das Maßnahmenkonzept vielleicht auch auf andere kritischen Bereiche im Ort übertragen werden, hoffte er. Da bis zur Realisierung einer Umgehungsstraße wohl eher 25 als fünf Jahre ins Land gehen dürften, brachte Seibold noch mögliche „intelligente Verkehrslösungen“ wie eine koordinierte Ampelsteuerung im gesamten Ort ins Spiel.

 

Im Blick auf die andauernde Corona-Pandemie war Seibold schließlich klar, dass sich in der jetzigen Zeit auch in der Wilhelmstraße wohl „nicht das abbildet, was dort sonst los ist“. Dennoch hoffe die Gemeinde, dort mit den jetzigen Maßnahmen die gewünschte Verkehrsentlastung zu erzielen. Im Jahr 2019 hatte Wammetsberger in einer Verkehrszählung an einem Tag 900 Fahrzeuge gezählt, die von der Schillerstraße kommend bis zur Max-Eyth-Straße die Wilhelmstraße durchfuhren. 500 Fahrzeuge bewegten sich damals am selben Tag in die Gegenrichtung. Bei der Verkehrszählung vom Februar dieses Jahres waren es zwar Corona-bedingt jeweils einige Autos weniger. Dafür hielten sich laut Wammetsberger auch diesmal rund 70 Prozent der Autofahrerinnen und Autofahrer nicht an die Tempo-30-Regelung und fuhren teilweise viel zu schnell durch die Wilhelmstraße. Grund genug also für die Gemeinde, jetzt zu handeln.