Touristik, Museen (Bönnigheim)

Vinothek- Drittes Weinkolleg 2022

Erfasst von: Tiedke, Hannelore (08.05.2022)

 

„Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“

 

Mit diesem Zitat von Aristoteles (384 – 322 v. Chr.), dem großen antiken Philosophen und Begründer der abendländischen Wissenschaft, hatte Albrecht Hauber, der Referent des dritten Weinkollegs bei den „Freunden der Vinothek Bönnigheim“, seinen Vortrag über Cuvées überschrieben.

Im vollbesetzten Präsentationsraum der Vinothek am Schloss in Bönnigheim freuten sich 22 Gäste und Vinothekare, dass der ehemalige Vorstand der WG Stromberg-Zabergäu und langjähriges Mitglied im Verein der „Freunde der Vinothek Bönnigheim“ diesen Fortbildungsvortrag angeboten hatte. Der Vorstandsvorsitzende der „Freunde der Vinothek“, Manfred Schmälzle, hatte für die Verkostung drei Cuvées der Bönnigheimer Weinerzeuger Dautel, Kölle und der Weingärtnergenossenschaft ausgesucht, um die Cuvée-Theorie auch praktisch erfahrbar zu machen.

„Es heißt DIE Cuvée und nicht der Cuvée“, begann Albrecht Hauber seinen Vortrag und wies damit auf die Herkunft des Begriffes aus dem Französischen hin, wobei jedoch die Wortbedeutung in Frankreich eine andere als in Deutschland sei. Während bei unseren Nachbarn nahezu ausschließlich Cuvées produziert werden und die bekanntesten und hochwertigsten Weine, z.B. der Bordeaux oder der Champagner immer Cuvées seien und sogar Grand Cuvées und Cuvée Prestige „die besten Weine des Hauses“ darstellten, haben Cuvées in Deutschland von der Wortbedeutung eher einen negativen Beigeschmack, da der Begriff „Verschnittwein“ in den Köpfen der Verbraucher eher einen Anklang von „Resteverwertung minderwertiger Weine“ oder gar „Panschen“ habe. Zurückzuführen sei dies auch auf „schwarze Schafe“ unter den Produzenten und auf den Glykolskandal Mitte der 80er Jahre, bei dem im großen Stil gepanscht und mit nicht erlaubten Zusätzen die Idee der „Vermählung verschiedener Rebsorten, Regionen, Jahrgänge zur Qualitätsverbesserung“ ad absurdum getrieben worden war.

Der Begriff Cuvée ist bei uns weder ein Qualitätsmerkmal wie in Frankreich noch ist er gesetzlich geschützt. Außerdem wird bei uns die Sortenreinheit von Weinen geschätzt und alle wollen immer wissen, welcher Wein mit welchem Prozentanteil in einer Cuvée sei. In Frankreich sind auch für die hochwertigsten Wein einfach drei oder 13 verschiedene Weinsorten zugelassen und niemand fragt bei einem Bordeaux oder bei einem spanischen Rioja nach den einzelnen Bestandteilen. Das Ziel  beim Verschneiden von Weinen ist es einfach, die Qualität des fertigen Produktes zu erhöhen.

Dass auch dies bei uns kommen wird, ist sich  Albrecht Hauber sicher. Ein Grund seien u.a. die neuen Rebsorten -besonders die Piwi-Neuzüchtungen-, die im Biowein-Bereich erstaunliche Kreationen erwarten lassen. Jedoch hat Württemberg auch eine Cuvée-Tradition mit dem Trollinger/Lemberger, kurz TL, und dem „Schillerwein“, an dem Hauber den Hintergrund des „gemischten Satzes“ erläuterte.

 

Besonders jedoch zeigt sich eine zunehmende Akzeptanz der Cuvéeweine  bei den sehr hochwertigen Spitzenweinen. Immer mehr werden die exzellenten Kreationen der Kellermeister, die nicht nur handwerklich perfekt sind, sondern auch die Kunst der Vermählung bester Weine aus verschiedenen Sorten, Lagen und Fässern verstehen, bei den Weinkennern und Weingenießern längst anerkannt und geschätzt. Referent und Zuhörer  waren sich zum Ende des  Weinkollegs einig: Es muss nicht immer der sortenreine Wein sein, denn auch hier gilt: Eine Cuvée ist immer mehr als die Summe ihrer Teile.

Hannelore Tiedke