Touristik, Museen (Bönnigheim)

Vinothek viertes Weinkolleg 2022

Erfasst von: Tiedke, Hannelore (12.06.2022)

Wasser und Wein – Bewässerung im Weinberg

 

 

„Wie das Wasser den Wein begleitet“, nannte Wolfgang Händel, der Referent des vierten Weinkollegs der Freunde der Vinothek Bönnigheim e.V., sein Leitmotiv für dieses Weinkolleg, aber auch für sein berufliches Leben. Händel ist nicht nur Mitglied bei den ehrenamtlichen Vinothekaren in Bönnigheim, Wengerter und aktives Mitglied in der WG Stromberg-Zabergäu, sondern auch ein exzellenter Fachmann auf dem Gebiet der Obstbau- und Rebenbewässerung mit einer eigenen Beraterfirma für dieses Thema. Auch hier in der Region setzen die heißen Sommer wie 2003 und 2018 den angebauten Pflanzen zunehmend deutlich zu und führen zum sogenannten Trockenstress der Reben. Erkennbar lassen die Reben die Blätter und Triebspitzen absterben, wollen nur noch die Traubenkerne zur Notreife bringen, es fehlen aber dann die notwendigen Nähstoffe für die Hefen bei der Gärung, die Aromen sind nicht mehr vorhanden und es wird kein Zucker mehr produziert, so dass schlechte und teilweise ungenießbare Weine entstünden.

Trockenstress  2018 (Foto: W. Händel)

 

Bereits vor 40 Jahren hat Händel begonnen, sich in dieses wichtige Gebiet zu erschließen.

Verschiedenste  Bewässerungsgemeinschaften hat er seither mitbegründet und berät und lehrt vor Ort die Fachleute aus dem Bereich Wein- und Obstbau in ganz Baden-Württemberg.  

 

Dass die Beziehung zwischen Wasser und Wein schon in der Bibel erwähnt wird und schon die Israeliten berichten, dass „Pflanzen reiche Frucht bringen, wenn sie nahe am Wasser gedeihen“, brachte Wolfgang Händel auf die Idee in den ganz trockenen Gebieten der Welt darüber zu forschen, wie dort, wo Reben angepflanzt werden, mit Dürre und Wassermangel umgegangen wird. Seine Studien führten ihn nach Südeuropa, Lanzarote und Südafrika, wo er verschiedene Methoden der Stockerziehung ausmachen konnte, die das wenige vorhandene Wasser dennoch zu den sehr niedrig gezogen Einzelstöcken, teilweise als „Kringelerziehung“ zuleiteten. In Israel- wo in vielen Teilen extremer Wassermangel vorherrscht, wurde jedoch schon sehr früh eine technologische Bewässerungslösung entwickelt. So kommt es, dass ein israelischer Geschäftspartner Händel gegenüber die Aussage traf: „Jeder Liter Wasser, den wir zur Bewässerung verwenden, muss erst einmal durch den menschlichen Körper gegangen sein.“ Dass es hier farblich unterschiedliche Wasserleitungen für Trinkwasser und Brauchwasser gibt und nicht nur eine wie bei uns, sei selbstverständlich, so Wolfgang Händel.

 

 

Bei uns herrscht in der Landwirtschaft noch das üppige Grün vor, weshalb in den 70er Jahren vom deutschen Weinrecht eine Reben-Bewässerung verboten war. Gab es vor 25 Jahren bei uns in zehn Jahren mal einen heißen, sehr trockenen Sommer und auch noch schneereiche Winter, müsse heute schon von drei bis vier trockenen Sommern ohne entsprechendes „Winterwasser“ ausgegangen werden, so Händel. Ab 2002 wurde die Rechtsvorschrift zur Bewässerung von Weinbergen dahingehend gelockert, dass Beregnung möglich ist, wenn die Umweltbedingungen dies rechtfertigen.  Zuvor durften nur steile Weinberge über 30 Grad bewässert werden. Durch die Ertragsbegrenzungen wurde dann trotz Bewässerung nicht mehr Menge im Weinberg erzeugt und die Qualität der Weine enorm verbessert.

 

Natürlich gehören noch andere Maßnahmen zur Vermeidung von Trockenstress bei den Reben“, setzte Händel seinen Vortrag fort. Dabei komme es auf den Untergrund, das Gestein und die Begrünung zwischen den Zeilen an, um auch der Bodenerosion, die mehr und mehr durch Starkregen in den steilen Hanglagen ausgelöst wird, etwas entgegen zu setzen. Auch gelte es unproduktiver Verdunstung, die durch die Begrünung entstehen kann, vorzubeugen. „Im Laufe der Zeit werden die Reben sich teilweise anpassen und andere Weinsorten müssen hier angebaut werden“, ergänzte Händel diese Gedankengänge. Bei bestimmten bukettreichen weißen Rebsorten sei die gewünschte Qualität der Weine heute schon ohne Bewässerung nicht mehr möglich.

 

Dass die Bewässerungstechnik inzwischen mit HighTech-Filtern und Membranen ausgestattet ist, belegte der Referent an verschiedenen Modellschläuchen und deren Innenausstattung. Momentan werden bei uns maximal ein bis zwei Liter Wasser pro Quadratmeter und Tag gebraucht. Dies aber höchstens zwei- bis dreimal pro Woche In trockenen Phasen.

Bewässerungsschlauch mit HighTech-Filtern und -Membranen

 

Es gelte schließlich auch dem schonenden Wassereinsatz aus ökologischen Gründen Rechnung zu tragen. Deshalb falle das Wasser-Management und die Verantwortung für den gerechten Umgang mit der Ressource Wasser den Bewässerungsgemeinschaften und dem einzelnen Weinbauer zu. Schließlich gehe es nicht um Luxusbewässerung. Es könne auch ein Zuviel an Wasser den Reben enorm schaden und es müsse langfristig über ein Konzept zur Wasserbeschaffung z.B. aus Grundwasser, Nachklärwasser und Speicher für „Winterwasser“ nachgedacht werden. „Schließlich gehört Wasser allen und die Ressourcen müssen geschützt werden“, beendete Wolfgang Händel seinen überaus  dichten und für die 15 Zuhörer höchst anspruchsvollen Vortrag in der Vinothek in Bönnigheim.

 

Dass dies absolut kein trockenes Weinkolleg gewesen sei, bemerkte der Vorstandsvorsitzende der Freunde der Vinothek, Manfred Schmälzle, läge ganz sicher an der Lebendigkeit mit der Wolfgang Händel sein Wissen präsentiert habe und ein wenig auch an den beiden Weißweinen aus bewässerten Weinbergen, die die Gäste probieren durften.

Konzentrierte Zuhörer im Präsentationsraum der Vinothek am Schloss

 

Text und Fotos: Hannelore Tiedke