KuKuK

Drei Vollblutmusiker mit schwäbischem Charme

Erfasst von: Grieb, Petra (21.11.2022)

 

Nach zweijähriger Zwangspause aufgrund von Corona gab es am vergangenen Wochenende endlich wieder einen Kulturbesen in der Alten Kelter. Ob die vielen Gäste aufgrund des enormen kulturellen Nachholbedarfs, oder wegen der hervorragenden drei Künstler in das urige mittelalterliche Gebäude gekommen waren, blieb letztlich offen. Jedenfalls konnte sich Thomas Nollenberger von der Arbeitsgemeinschaft Kunst und Kultur in Kirchheim (KuKuK) am letzten Samstag bei seiner Begrüßung über eine gut gefüllte Kelter freuen. Fürs leibliche Wohl der Kulturfans sorgten das Team der LandFrauen mit den KuKuK-Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

 

Über der ganzen Veranstaltung schien irgendwie immer noch die Pandemie zu schweben. Das formidable Trio „Berta Epple“ mit dem Geiger Gregor Hübner, dem Pianisten Bobbi Fischer und dem Kontrabassisten Veit Hübner hatte Nollenberger eigentlich schon für 2020 gebucht. Damals konnte indes ebenso wenig wie im Jahr danach der Kulturbesen in Kirchheim stattfinden. Das Trio wurde von einem Jahr aufs andere vertröstet. Jetzt war es allerdings soweit und die Drei von „Berta Epple“ konnten mit ihrem Programm „Die Rente ist sicher!“ endlich in See stechen.

 

Das gleichnamige Stuttgarter Ausflugsschiff kreuze zwar nicht mehr durch das Neckartal. Aber die Bordcombo, die gäbe es schon noch, verkündeten die Musiker auf der Bühne am Anfang ihrer Vorstellung mit einem Augenzwinkern. Dann zog sich die künstlerische Corona-Pause ebenso wie ein roter Faden durch den Abend, wie das eh schon hinlänglich bekannte Auf und Ab im Leben eines Musikers – zumal von jemandem, der in der Jazzsparte seine klägliche Existenz fristet.

 

Corona ist natürlich auch an den drei virtuosen Vollblutmusikern aus dem Raum Stuttgart nicht spurlos vorüber gegangen. Auch sie hätten kaum oder gar keine Auftritte gehabt, bekannte Veit Hübner beiläufig. Schon vor Jahren hatten sich die beiden Hübner-Brüder und Fischer nach der Auflösung ihrer Formation „Tango Five unter dem neuen Namen „Berta Epple“ wieder zusammengefunden. Als Trio sind sie jedoch ihrem musikalischen Anspruch treu geblieben und bedienen sich äußerst versiert aus unterschiedlichen Musikgenres.

 

Geradezu furios eröffnete Veit Hübner am Bass das musikalische Programm mit einem Blues im Uptime-Tempo. Gregor Hübner und Bobbi Fischer gesellten sich hinzu und sorgten für eine Überraschung: Die Beiden erwiesen sich als echte Multitalente, in dem sie wechselweise auch zu anderen Instrumenten griffen. Gregor Hübner stand am Piano seinem Kollegen Bobbi Fischer in nichts nach und nahm gelegentlich auch die Mandoline in die Hand. Der eigentliche Pianist Bobbi Fischer ließ es am Schlagzeug so richtig swingen und spielte auch auf der Ukulele oder dem Akkordeon. Und über ihre enormen instrumentalen Fähigkeiten hinaus, brillierten sie dazu noch solo oder a-cappella als Vokalisten – Allroundmusiker in Reinform.

 

„Die Rente ist sicher!“ sangen die drei Musiker im Trio aus vollen Kehlen und brachten so mit einer Prise Fatalismus letztlich eher Wunschdenken zum Ausdruck. Schließlich geht es auch bei ihnen inzwischen ums Thema „Älter werden“. Und die kürzlich erhaltenen Briefe von der Rentenbehörde ließen angeblich nichts Gutes erahnen, feixte Bobbi Fischer. „Der Rentenbescheid gibt für mich nix her“, lautete da jedenfalls die im Liedrefrain wiedergegebene nüchterne Erkenntnis der Künstler. Da helfe eben nur Sport, um fit zu bleiben, resümierten die Musiker. Und eventuell auch noch Omas Hausmittel: der tägliche Schluck Urin – angeblich das „Lebenselixier“.

 

Nach vielen Auftrittsjahren im Ausland haben die Drei von „Berta Epple“ inzwischen auch Gefallen an ihrem Sprachdialekt gefunden. Mit feiner Raffinesse arbeiteten sie sich in ihrem Programm humorvoll am schwäbischen Kartoffelsalat ab. Zwar konnten sie der opulenten Variante aus Norddeutschland mit viel Mayonnaise nach eigenen Bekundungen nicht viel abgewinnen. Aber dafür gäbe es in der hiesigen Gegend genügend Nicht-Schwäbinnen und -Schwaben, die etwas von der süddeutschen Machart verstünden und das hierzulande beliebte Gericht vorzüglich zubereiten könnten. Somit kam letztlich das künstlerische Credo der drei Interpreten zum Vorschein: Sie sind – auch als Musiker – aus Überzeugung multikulturell veranlagt und geradezu neugierig aufs Fremde.

 

Im Übrigen drehten sich – entsprechend dem leidigen Existenzthema – die Liedtexte immer wieder ums Geld. Beispielhaft hierfür stand ein Casino-Medley mit dem legendären ABBA-Titel, in dem sich alles um „Money“ dreht. Veit Hübner garnierte das Programm mit einem Text von Kurt Tucholsky und rezitierte ausdrucksstark dessen berühmtes Gedicht „Das Ideal“ mit dem vielsagenden Refrain „Ja, das möchste!“.

 

Zuvor hatte der Bassist zusammen mit Gregor Hübner und Bobbi Fischer als Opener nach der Pause Astor Piazzolla´s „Tzigane Tango“ interpretiert. Spätestens in diesem Moment zeigte sich, aus welchem musikalischen Holz die drei überragenden Künstler geschnitzt sind. Kaum ein Musikstil, den sie nicht überzeugend und mit Feingefühl wiederzugeben in der Lage waren – dazu noch mit traumhafter Leichtigkeit.

 

Zwischendurch ergriff jeder der Musiker immer wieder die Gelegenheit, solistisch in Erscheinung zu treten. Kein Zweifel: Gregor Hübner an der Geige, Bobbi Fischer am Piano und Veit Hübner am Kontrabass bewiesen besonders mit ihren brillanten Soli, dass sie mit allen musikalischen Wassern gewaschen und somit absolute Ausnahmetalente sind.

 

Am Ende verwiesen die drei „Berta Epple“-Musiker im Anschluss an die beiden Zugaben noch auf ihr neues Programm „Das ganze Jahr geöffnet“, das an Silvester am Theaterhaus in Stuttgart Premiere feiert. Dieses Programm entstand während des Corona-Lockdowns. Umso euphorischer kommt der Titelsong herüber: „Jetzt geht es wieder los!“. In der Alten Kelter war letztes Wochenende jedenfalls allseits die Freude deutlich spürbar, endlich wieder am Kulturleben teilnehmen zu können.

 

Ein herzliches Dankeschön an alle Ehrenamtlichen des KUKUK-Temas sowie unserem Bauhof-Team für Ihren Einsatz und die Mithilfe.

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